8 einfache Tipps für bessere Texte

8 einfache Tipps für bessere Texte

Die harte Wahrheit zuerst:

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass dein Text (zu Ende) gelesen wird.

In unserer digitalisierten Welt wird tagtäglich eine Unmenge an Text produziert. Etliche Zeitungsartikel, Blogbeiträge oder Werbetexte werden jede Minute in das World Wide Web hinausposaunt - und bleiben vielfach unbemerkt.

 

Warum das so ist? Ganz einfach: Die Konkurrenz an Texten ist so enorm, dass dein Text nicht nur weil er wahr oder vielleicht sogar informativ ist, Leser findet. Du musst dich gegen Heerscharen von Texten mit ähnlichen Inhalten durchsetzen und damit meine ich nicht nur klassische Blogtexte oder journalistische Artikel. Auch Twitterbeiträge oder Posts auf Instagram können dir gefährlich werden. 

 

Wie kommst du nun raus aus dem Schlammassel? Mache dir bewusst, dass du für deinen Leser schreibst.

Es gilt, deine Inhalte so zu verpacken, dass sie deine Leser ansprechen, begeistern, ja sogar verblüffen.

 

Das Tolle daran? Das Ganze kann man lernen.

Wenn du ein paar Kniffe beherrschst und mit Herzblut schreibst, bist du schon einen großen Schritt weiter, dich gegen die Flut an Wörtern im Netz durchzusetzen.

 

Ich zeige dir in diesem Artikel 8 einfache Tricks, mit denen dein Text im Handumdrehen Leser begeistert - los geht´s!

1. Schreibe fesselnde Anfänge

Schreibe fesselnde Anfänge für bessere Texte

Bevor du loslegst, überlege dir, für wen du schreibst. Mache dir bewusst, wen du mit deinem Text erreichen möchtest und werfe dann den richtigen Köder aus. Grundlage für einen gelungenen ersten Satz ist, dass du vor dem Schreiben denkst. Klingt simpel? Wird aber oft vernachlässigt. Du hast keine zweite Chance für den ersten Eindruck, also sorge dafür, dass der erste Satz perfekt ist. Überrasche den Leser, erstaune ihn, bringe ihn dazu, unbedingt weiterlesen zu wollen, kitzele eine Reaktion aus ihm heraus!

 

Der Kolumnist Paul Krugman begann 2009 einen Artikel mit folgenden Worten: "Ich habe die Zukunft gesehen und sie wird nicht funktionieren". Wer könnte nach diesem Satz nicht weiterlesen? Man möchte wissen, was dahinter steckt. Das Ziel ist erreicht, die Neugier beim Leser geweckt. 

 

Nicht immer ist man in der Lage, einen welterschütternden ersten Satz aus dem Ärmel zu schütteln. Das ist auch gar nicht so schlimm. Solange der Einstiegssatz nicht komplett Banane ist, kannst du den Leser noch immer einfangen. Studien haben belegt, dass Leser nach rund 350 Zeichen (20 Sekunden) entscheiden, ob es sich lohnt weiterzulesen. Lege also besonderen Wert auf den Beginn deines Textes. Feile ruhig so lange an ihm, bis er dich aus den Socken haut!

MErke: wecke neugier mit deinem ersten satz | nutze die ersten 350 Zeichen, um deine leser zu binden

2. Schreibe kurz

Versuche möglichst kurze Wörter zu verwenden. Diese sind in der Regel verständlicher und vor allem leichter zu lesen. Hast du die Wahl, entscheide dich für ein kurzes und verständliches Wort, anstatt den Lesefluss mit einem vielsilbigen - und vielleicht sogar für einen Teil deiner Leserschaft unklaren - Begriff zu unterbrechen. Nehme zum Beispiel das Wort "Auto" anstelle von "Personenkraftwagen". Das Wort "Laune" ist anschaulicher als "Gemütslage" und anstatt von "Niederschlag" zu sprechen, sag doch einfach "Regen". 

 

Schreibe möglichst kurze Sätze. Diese sollten klar verständlich und ohne Irrungen und Wirrungen sein. Vermeide dabei eingeschobene Nebensätze. Mache lieber einen Punkt und schreibe einen neuen Satz. So schaffst du Struktur. Ein leichter Kniff, um zu erkennen, ob ein Satz zu lang ist: Lese ihn laut vor und wenn dein Atem nicht ausreicht, ist der Satz zu lang.

Merke: nutze kurze wörter | schreibe kurze sätze

3. Schreibe konkret

Meide um jeden Preis abstrakte Beschreibungen. Versuche möglichst konkret und anschaulich zu schreiben. Rede nicht von Obst, wenn du einen Apfel meinst. Du warst im Urlaub und möchtest davon berichten? Anstatt zu schreiben "Der Strand war wunderschön", beschreibe ihn lieber konkret: "Meine Füße versinken im nassen Sand, als das Wasser in sanften Wogen meine Zehen umspült. Die Sonne spiegelt sich im glasklaren Wasser des Ozeans und die Palmen wiegen sanft im Wind".  "Schön" ist nur eine Schlussfolgerung, die du aus deinen Sinneseindrücken ziehst. Erschaffe ein Bild in den Köpfen deiner Leser durch greifbare Beschreibungen.

 

Eine Gewichts- oder Flächenangabe scheint auf den erste Blick konkret. Dabei ist sie aber selten anschaulich. In solchen Fällen, ist es ratsam, Vergleiche zu verwenden, um eine abstrakte Zahl in etwas Greifbares zu verwandeln. Beispiel gefällig? "Eine Fläche so groß wie Berlin brennt" = 900 km².

merke: nenne immer die kleinste einheit | erschaffe sinneseindrücke durch konkrete beschreibungen | nutze vergleiche

4. Schreibe lebhaft

Um deine Leser in den Bann zu ziehen, dürfen Beispiele, Vergleiche und Metaphern nicht fehlen. Überfordere deine Leser nicht mit zu vielen Fakten, sondern nutze Beispiele oder Vergleiche, um trockene Informationen erlebbar zu machen. 

 

Um einen Text anschaulicher zu machen, kann es außerdem sinnvoll sein, sich einzelne Details herauszupicken, anstatt alles zu sagen. Günter Grass schrieb beispielsweise: "Der Sommer kam mit Erdbeeren, Sondermeldungen und Badewetter". Der berühmte Autor griff Einzelheiten heraus und erschafft so ein lebhaftes Bild in den Köpfen der Leser, anstelle sich in langatmigen Beschreibungen zu ergehen, um ALLES zu sagen. 

merke: nutze Beispiele, vergleiche und metaphern | sage weniger als du meinst

5. Meide Füllwörter (meistens)

Meide die meisten Füllwörter für bessere Texte

Worte wie "eigentlich" oder"überhaupt" haben einen schlechten Ruf. Die sogenannten "Füllwörter" gelten als ein Zeichen für schlechten Stil. Ich bin der Ansicht, dass sie in manchen Sätzen durchaus eine Daseinsberechtigung haben. Manchmal setzt erst das "gewissermaßen" oder "ziemlich" den nötigen Akzent in einem Satz - manchmal sind sie aber auch fehl am Platz.

 

Mein Rat: Verwende die folgenden Wörter bewusst. Denke darüber nach, ob sie deinem Satz einen Mehrwert bieten. Wenn ja, verwende sie selbstbewusst. Wenn du dir unsicher bist, streiche sie lieber.

Wörter und Floskeln, die du lieber ganz verbannst, findest du in diesem Artikel.

  • also
  • doch
  • durchaus
  • eben
  • echt
  • eigentlich
  • einfach
  • ganz
  • genau
  • gewissermaßen
  • halt
  • immerhin
  • irgendwie
  • nämlich
  • natürlich
  • nun
  • sehr
  • sozusagen
  • überaus
  • überhaupt
  • wohl
  • ziemlich

merke: nutze füllwörter überlegt oder gar nicht

6. Nutze Verben

Verben sind die wichtigsten Wörter im Satz. Sie bringen den Text voran und erschaffen Stimmung und Aktivität. Ausnahmen dabei sind Verben, die keine Tätigkeit beschreiben wie zum Beispiel "liegen", "sich befinden", "sich handeln um". Ebenfalls sind passive Verben wie "erfolgen" oder "durchführen" nicht hilfreich. Alle anderen Verben machen Texte dynamisch und bildhaft.

So kann ein Mensch nicht nur lachen, sondern genauso gut kichern, glucksen, gackern, quietschen, gickeln, feixen, prusten oder johlen. Je nach Situation kann ein anderes Verb verwendet und so ein anderes Bild erschaffen werden, das den Leser vorantreibt.

merke: verwende viele verben

7. Meide Adjektive

Adjektive sind eine überschätze Spezies. Sie werden heute gerne in Texte verfrachtet ohne vorher über ihre Sinnhaftigkeit nachzudenken. So wird von situativen Gegebenheiten oder verkehrlichen Belangen gesprochen. Das visuelle Erscheinungsbild ist wichtig und die schulische Leistung entscheidend. Solche Adjektive machen einen Satz weder schöner noch verständlicher oder lebendiger. 

 

Das soll nicht heißen, dass alle Adjektive schlecht sind. Eigenschaftswörter, die etwas unterscheiden sind nötig. Ob die Musik laut oder leise ist, macht einen Unterschied. Auch wertende Adjektive bringen einen Mehrwert: Ein lesenswertes Buch ist besser als ein langweiliges. Es gibt auch Adjektive, die einfach "schön" sind und einen Text bereichern. Für mich zählen Worte wie prächtig, verschlafen, pingelig, abenteuerlich, beflügelt, aufbrausend oder heißblütig dazu.

merke: nutze adjektive sparsam und überlegt

8. Nutze Satzzeichen

Grundsätzlich werden in den meisten Texten wenige Satzzeichen verwendet und zumeist wird sich dabei auf Punkt und Komma beschränkt. Dabei steckt in wohlüberlegten Satzzeichen enormes Potenzial! Sie führen den Leser durch den Text und sind fähig, dem Text verschiedene Stimmungen einzuhauchen. Beispiel gefällig?

 

Mein Hund ist weggelaufen ich frage mich warum

 

Mein Hund ist weggelaufen. Ich frage mich, warum?

 

Mein Hund ist weggelaufen. Ich frage mich - warum?

 

Die Satzzeichen verleiten den Leser dazu, den Text auf unterschiedliche Weise zu lesen - und das auch stumm.

Der Punkt gliedert den Text und lässt uns eine Pause machen. Bei dem Komma halten wir kurz inne. Der Gedankenstrich betont das "warum" - wir heben die Stimme.

 

Das stiefmütterlich behandelte Semikolon hat die Kraft einen Satz in der Schwebe zu halten und deutlich zu machen, dass der Gedanke noch nicht fertig ist. Der Doppelpunkt weckt eine Erwartung und verleitet so den Leser dazu, weiterzulesen.

 

 Die Kraft der unterschiedlichen Satzzeichen nicht zu nutzen, ist eine vergebene Chance!

merke: hole alle (!) satzzeichen aus der mottenkiste


Noch ein letzter Tipp von Joseph Pulitzer, der zusammenfasst, worauf es ankommt, wenn man Leser begeistern möchte:

"Schreibe kurz - und sie werden es lesen. Schreibe klar - und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft - und sie werden es im Gedächtnis behalten."

Habt ihr noch Tipps für einen tollen Text? Schreibt sie gerne in die Kommentare!

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