Wie Google deine Meinung manipuliert.

Wie Google dich manipuliert

Google ist mit fast 96% Marktanteil der unangefochtene Platzhirsch unter den Suchmaschinen und dient Millionen von Nutzern tagtäglich als Türöffner zum Internet.

Google-Anwendungen überzeugen primär durch ihre Funktionalität und Übersichtlichkeit.

Google pflegt bis heute das Image vom experimentierfreudigen, kreativen und sympathischen Start-up.

 

Neben den offensichtlichen Vorteilen von Google für den Anwender, birgt die Rolle als Gatekeeper aber auch Risiken. Experten befürchten eine zunehmende Übermacht – sie sprechen gar von einem „Googlepol“. Die Konkurrenzlosigkeit auf dem Suchmaschinenmarkt birgt das Risiko eines Machtmissbrauchs.

Die Sorge, dass Google mehr und mehr ein Informationsmonopol aufbaut, wächst.

 

Inwiefern ist der Internetgigant in der Lage in den Meinungsbildungsprozess einzugreifen?

 

Dazu wird im Folgenden ein Blick auf die wichtigsten Funktionen von Google geworfen.

Zitat Google: To exist is to be indexed by a search engine

Page Rank

 

PageRank gilt als Erfolgsformel des Internetriesen. Mitte der 90er Jahre entwickelte Larry Page die Software, die sich von anderen Suchmaschinensoftwares abhebt, indem sie neben klassischen Suchtechniken wie der Analyse der Häufigkeit und der Position des gesuchten Begriffes im Websitetext auch Verlinkungen miteinbezieht.

 

Google geht davon aus, dass Seiten, die stark verlinkt sich, wichtiger sind als Seiten, die nur selten verlinkt werden. Neben der Menge ist aber auch die „Qualität“ entscheidend. Stammen die Links von einer populären Seite, werden diese als wichtiger eingestuft, als Links von unbekannteren Seiten.

 Auf Grundlage dessen, weist Google jeder Seite einen PageRank-Wert zu.

Die Folge dieses Prinzips?

Erfolgreiche Seiten werden noch beliebter. Unbekannten und neuen Seiten wird eine mangelnde Qualität unterstellt.

 

Eine Seite mit wenigen Links wird also unabhängig von ihrem Inhalt benachteiligt, auch wenn sie für den Nutzer die wertvollste Information beinhaltet.

Da Google seine Suchlogik nicht veröffentlicht, bleibt es Spekulation, inwiefern das Unternehmen bewusst Einfluss auf die Willensbildung nimmt. Ein Missbrauch ist nur schwer zu beweisen und gleichzeitig nicht auszuschließen.

Zitat Google: It knows a tremendous about us, and we know far too little about it.

Autocomplete

 

Seit 2009 beinhaltet die Google-Suchmaschine die Funktion Autocomplete. Diese macht dem Nutzer Vorschläge, wie ein eingegebener Begriff ergänzt werden kann.

 

Diese Funktion kann nützlich sein – birgt aber auch Gefahren.

Wird der Name einer Person mit beleidigenden Begriffen ergänzt oder ein Unternehmen mit negativen Eigenschaften verknüpft, kann das die Meinung der Nutzer erheblich lenken.

 

Dass diese Funktion nicht nur eine sinnvolle Hilfestellung ist, zeigt ein Beispiel: gibt man in die Suchmaske „Arbeitslose sind…“ ein, so sind die ersten drei Vorschläge „faul“, „selbst schuld“ und „Schmarotzer“.

 

 

Google verweist in diesem Zusammenhang auf die Meinungsfreiheit, schließlich seien die Ergebnisse aus den eingegebenen Anfragen der Nutzer entstanden. Da Google seinen Suchalgorithmus als Firmengeheimnis behandelt, bleibt tatsächlich aber unklar, wie die Vorschläge zustande kommen. 

Zitat Google: Google is not a neutral tool or a nondistorting lens: it is an actor and a stakeholder itself.

Google News

 

Sucht man nach journalistischen Beiträgen im Netz, so stößt man schnell auf Google News. Das Prinzip ist dasselbe, wie bei Google Search, nur dass die Ergebnisse auf publizistische Inhalte beschränkt sind. Auch hier ist die Auswahl der angezeigten Beiträge das Problem. Es bleibt unklar, welche Quellen einbezogen werden und welche nicht. Google selbst äußert sich dazu wie folgt:

                 „Our articles are selected and ranked by computers that evaluate,                       among other things, how often and on what sites a story appears                       online. We also rank based on certain characteristics of news                             content such as freshness, location, relevance and diversity.“

 

Das mag zunächst gut klingen, doch bleiben zahlreiche Fragen offen:

 

Wie kann eine diverse Berichterstattung möglich sein, wenn entscheidend ist, auf welcher Seite ein Bericht erscheint? Führt das nicht zu dem gleichen Problem, wie bei dem PageRank-Verfahren? Hat das nicht zwangsläufig eine einseitige Berichterstattung zur Folge, die Mehrheitsmeinungen stärkt und Minderheitsmeinungen nicht oder kaum beachtet und somit schwerlich als vielfältig zu bezeichnen ist? 

Ein Leben ohne Google ist heute kaum noch vorstellbar.

 

Fast jeder von uns kommt mehrmals täglich in Kontakt mit den Angeboten des Konzerns. Sei es klassisch über die Google-Suche am Laptop oder Android-Smartphone, um die neuesten Nachrichten bei Google News zu recherchieren, Dokumente mit Kollegen über Google Drive zu teilen oder noch schnell ein passendes Outfit für das anstehende Vorstellungsgespräch bei Google Shopping zu besorgen.

 

Längst hat sich Google zu einem selbstverständlichen Teil unseres Alltags entwickelt. Dabei sollten wir aber nicht vergessen, dass Google ein Wirtschaftsakteur mit eigenen Interessen ist. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Konzern eigene Präferenzen in den sicher verwahrten und tatkräftig geschützten Algorithmus einbaut.

Auch wenn der Internetgigant ein selbstloses Image pflegt und betont „der Nutzer steht an erster Stelle, alles weitere folgt von selbst“, bleibt Google doch eine Black Box. 

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